Integrierte Förderung

 

In den 1980er Jahren gab es in allen Bundesländer Versuche zur schulischen Integration von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen/Beeinträchtigungen, die bislang mehr oder weniger ausschließlich in einem differenzierten Sonderschulwesen unterrichtet wurden. In Rheinland-Pfalz wurde zum Schuljahr 1989/1990 in diesem Zusammenhang der Schulversuch "Erprobung einer Förderschule im Verbund mit integrierten Fördermaßnahmen an allgemeinen Schulen" im Kreis Daun und in der Stadt Worms (daher der Name "Daun-Wormser Modell") gestartet. 


Ab Sommer 1989 wurden daher Lehrkräfte unserer Schule damit beauftragt, Kinder und Jugendliche im Rahmen einer Integrierten Förderung in der jeweiligen Regelschule sonderpädagogisch zu fördern. Schon seit 1990 geschieht dies an allen Grundschulen und Hauptschulen unseres Einzugsgebietes (zuletzt 11 Regelschulen).

Nach Ende des Schulversuchs im Sommer 1994 wurde das Modell als Regelform weitergeführt, so dass es bis heute weiter besteht. Darüberhinaus wurde Integrierte Förderung nach diesem Modell auf weitere Regionen ausgedehnt (z.B. Trier, Koblenz).

 

Auch wenn es in den vergangenen 20 Jahren immer wieder nötig wurde, das Konzept an geänderte Rahmenbedingungen (zuletzt 2008 durch die Einführung einer neuen Grundschulordnung) anzupassen, so gibt es überdauernde, wesentliche Bestimmungsmomente der Integrierten Förderung, die auf den folgenden Seiten erläutert werden.

 

Differenzierung

Die Integrierte Förderung versteht sich als ein Angebot an Lehrkräfte der Regelschule, diese bei der individuellen Förderung von Kindern zu unterstützen.

Diese Unterstützung kann in Form von Beratung und als gemeinsame Unterrichtsarbeit stattfinden. Hierdurch sollen in gemeinsamer Verantwortung die Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten von Kindern mit Beeinträchtigungen so beeinflusst werden, dass sie auch weiterhin die Regelschule besuchen können. Dies geschieht durch "Differenzierung" - das heißt: es gibt keine gleichen Lernangebote und Leistungsanforderungen für alle Kinder einer Lerngruppe. Vielmehr werden diese angepasst an das Lern- und Leistungsvermögen der einzelnen Kinder bzw. einzelner Lerngruppen.

Differenzierung drückt sich damit im Unterricht durch das Bereitstellen und Nutzen unterschiedlicher Materialien und Medien, durch unterschiedliche Hilfestellungen, durch unterschiedliche Lehrziele, durch unterschiedliche
Aufgabenschwierigkeiten oder einen unterschiedlichen Aufgabenumfang o.ä. aus.

Diese Differenzierung findet üblicherweise im Klassenverband statt; bei besonderen Umständen und Gelegenheiten kann die Doppelbesetzung einer Klasse mit Regelschullehrkraft und Förderschullehrkraft auch dazu genutzt werden, die Klasse in mehrere Differenzierungsgruppen aufzuteilen.

 

Kooperation

Im Rahmen der Integrierten Förderung arbeiten Lehrkräfte der Regelschule und der Förderschule eng zusammen. Dies macht sich zunächst im gemeinsam gehaltenen Unterricht bemerkbar - je nach Situation können pro Klasse bis zu sechs Unterrichtsstunden gemeinsam unterrichtet werden. Hierbei kümmert sich tendentiell die Regelschullehrkraft um das Gros der Schüler, die Förderschullehrkraft um einzelne Schülerinnen und Schüler, bei denen besondere Schwierigkeiten im allgemeinen oder speziellen Lernprozess auftreten.

Die Kooperation der beiden beteiligten Lehrkäfte reicht von (gegenseitiger) Beratung über die gemeinsame Planung, Vorbereitung und Durchführung von Unterricht bis hin zu gemeinsamer Elternarbeit oder der Zusammenarbeit mit außerschulischen Institutionen, Therapeuten etc.

Mit der Integrierten Förderung werden keine Aufgaben von der Regelschule an die Förderlehrkräfte übertragen. Deren unterrichtlichen Maßnahmen greifen vielmehr in die Maßnahmen der inneren Differenzierung der Regelschullehrer ein, führen sie fort und ergänzen sie. Dabei bringen Förderlehrer ihre eher "sonderpädagogische" Denk- und Arbeitsweise ein.

Der Schwerpunkt der gemeinsamen Arbeit liegt in den beiden ersten Grundschuljahren. Sie kann sich aber bis einschließlich zum sechsten Schuljahr erstrecken. Auch beim Übergang von einer Kindertagesstätte in die Grundschule sind die Förderlehrkräfte in das jeweils praktizierte Einschulungsverfahren involviert, um möglichst frühzeitig besondere Schwierigkeiten von Kindern erkennen und diesen begegnen zu können.

 

gestuftes System

 

Das gestufte System der Sonderpädagogischen Förderung ist seit 20 Jahren wesentliches Bestimmungsmerkmal der Integrierten Förderung. So wurde im Schulversuch und viele Jahr später noch von einer Förderung auf den Stufen 1 bis 4 gesprochen.
Mit der Neufassung der Grundschulordnung im Jahr 2008 wurde diese formelle Stufung zwar obsolet, sie besteht aber durchaus in Form einer graduell zu unterscheidenden Abstufung weiter. Gemeinsam mit den Regelschulen nehmen wir weiterhin eine Unterscheidung zwischen einer "beratenden & zweitweise begleitenden Form" und einer "intensiven Form" vor. Bei letzterer werden die Eltern im Rahmen eines Förderausschusses einbezogen. 

 

Förderausschuss

 

Ebenfalls seit 20 Jahren praktiziert die Integrierte Förderung mit dem Instrument des Förderausschusses ein weitgehend gleichberechtigtes Mitwirken der Eltern an der schulischen Förderung.

Der Förderausschuss wird von der Schulleitung der Regelschule einberufen; in ihm kommen alle Personen zusammen, die die Entwicklung eines Kindes begleiten: Eltern, Förderlehrer und Lehrkräfte der Regelschule. In diese Kooperation können bei Bedarf auch die Träger außerschulischer Hilfsangebote und Therapiemaßnahmen, Jugendamt, Schulpsychologischer Dienst und v.a.m. beratend einbezogen werden.

In einer Sitzung des Förderausschusses werden die Eltern über die schulische Förderung ihres Kindes informiert (ggf. auf Basis einer erfolgten Förderdiagnostik und/oder eines erarbeiteten Förderplans). Gemeinsam wird über die mögliche zukünftige Förderung beraten, Eckpunkte und Ziele formuliert und vereinbart.

Die in der Grundschulordnung von 2008 verankerten Gespräche zwischen Eltern und Schule entsprechen in ihrer Intention ziemlich genau dem Anliegen des regelmäßig sich treffenden Förderausschusses, weshalb wir diese langjährige bewährte Praxis nun auch formell untermauert fortführen können. 

 

Förderplanung

 

Im Rahmen einer "intensiven Integrierten Förderung" wird ein Kind in seinem schulischen Lernen im Umfang von bis zu 6 Wochenstunden durch eine Förderlehrkraft unterstützt. Dies schließt eine Planung und Vorbereitung dieser Integrierten Förderung ein.

Dementsprechend sind die Regel- und Förderlehrkräfte gehalten, für ein solches Kind einen (z.B. halbjährlichen oder ganzjährlichen) Förderplan zu erarbeiten. In ihm wird der Lernstand eines Kindes im Hinblick auf relevante Ziele erfasst (ggf. im Rahmen eines förderdiagnostischen Prozesses). Darauf aufbauend werden, nach Förderbereichen getrennt, zu erreichende Ziele formuliert und geeignete Maßnahmen skizziert, um diese Ziele zu erreichen. Dies kann beispielsweise das Erlernen des Dezimalsystems mit Hilfe eines bestimmten Rechenmaterials (z.B. Abaco 100) sein.

Angaben zur Evaluation (z.B. laufende Kontrolle, Schulleistungsdiagnostik) runden den Förderplan ab.